Vielfalt durch Üben

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Heinz Günter

Seit Jahren fasziniert mich die Vielfalt des Taijiquan. Am Anfang lernte ich die Bewegungsabläufe der Handform und nach und nach kamen verschiedene Partner- und Waffenformen hinzu. Ich spürte, dass mein Körper beweglicher wurde, genoss die sanfte Dehnung von Muskeln, Sehnen und Bänder, meinen Stand, der immer fester wurde, und nahm die Verbundenheit meiner Füße mit der Erde wahr. Ich entdeckte Fähigkeiten neu, die mir als Kind so selbstverständlich waren. Mit Freude an der Bewegung, mit Lust auszuprobieren und spielend wiederholte ich einzelne Bewegungsabläufe, die mir besonders Spaß machten. Ich wurde zum Taiji-Spieler.

Eines Tages bemerkte ich, dass meine Bewegungen im Inneren beginnen und sich nach außen fortsetzen. Jetzt verstand ich: Taijiquan ist eine innere Bewegungskunst. Ich entdeckte die Vielfalt der einzelnen Bewegungsabläufe und verbesserte meine Technik. Und doch fehlte etwas.

An einem regnerischen Tag im Wudang-Gebirge nahm mich Meister Yang ZhenHe zur Seite und sagte: »Du übst schon jahrelang Taiji. Deine Lehrer haben dir ihr Wissen vermittelt und dich begleitet. Jetzt ist es an der Zeit, nicht mehr ihren Spuren zu folgen, sondern das zu suchen, was sie gesucht haben. Lass dich von deiner Empfindung leiten, überwinde die Grenzen der Technik. Dann wird Taiji zur Kunst. Die Technik ist wie ein Boot. Wohin du segeln willst, musst du bestimmen. Arbeite mit den Prinzipien des Taijiquan. Sie sind der Wind, der in deine Segeln bläst.«

Seit dieser Zeit entdecke ich das Taiji aufs Neue. Meine Bewegungen sind vielfältiger und harmonischer geworden. Das Üben hilft mir, mich in allen Lebensbereichen zu entfalten und für den Reichtum und die Vielfalt in der Schöpfung dankbar zu sein.

Viel Freude beim Spielen und Entdecken!
Heinz Günter

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