In der Mitte sein

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Heinz Günter

Vor kurzem sagte eine Schülerin zu mir, sie wisse jetzt, was es heißt, »außer sich« zu sein: es heißt, seine Mitte zu verlieren. Jeder von uns kennt das Gefühl, plötzlich seine Stabilität, seine Erdung zu verlieren. Wir stehen dann außerhalb unserer Kraft und Stärke.

Wir leben in einer Zeit, die vom Streben nach materiellem Reichtum bestimmt wird, in der wir mit Informationen überhäuft werden und in der alles analysiert wird. Wir verlieren dadurch das Empfinden für das harmonische Ganze, das die Schöpfung durchdringt. Wir unterteilen unser Leben in verschiedene Bereiche und vergessen dabei, dass diese doch nur verschiedene Aspekte unseres Seins sind. Der Kreislauf des Lebens bietet uns die Möglichkeit für ein geistiges und harmonisches Wachstum und bedarf keiner Unterteilung oder Trennung.

Beim Üben des Taijiquan empfinde ich keine Trennung. Für mich sind Hand-, Waffen- und Partnerformen ohne Bedeutung, denn egal welches System oder dessen Varianten ich übe, es unterstützt mich dabei, in der Harmonie zwischen Himmel und Erde zu schwingen. Ich übe, in meiner Mitte zu sein, und fühle mich nicht außerhalb der Schöpfung.

Viele meiner Schülerinnen uns Schüler empfinden dies ebenso. Mein Respekt und meine Achtung gelten ihrer Beharrlichkeit, mit der sie den Weg des Taijiquan gehen.

Für das Jahr des Drachen wünsche ich euch, eurer Kraft, eurer Schönheit und eurem inneren Reichtum bewusst zu werden. Und wenn ihr einmal außer euch seid, eure Mitte wieder zu finden.

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