Stille

am

Heinz Günter

»Die Freiheit liegt nicht außen,
die Freiheit lebt in der Stille deiner selbst.«

Das Gedicht der chinesischen Lyrikerin Chao-Hsiu Chen drückt meine Sehnsucht nach innerer Stille aus, aus deren Kraft heraus sich alles bewegt. Die Zeit der Stille ist für mich der frühe Morgen und ich erlebe sie beim Üben des Taijiquan. Die klare frische Luft des Morgens. Kein Geräusch dringt ans Ohr. Ich spüre meine Energie, die nach der Trägheit der Nacht in Bewegung kommt, meinen Körper durchdringt und erfrischt. Ich entdecke mich selbst und empfinde meine Verbundenheit mit der Schöpfung. Beim Üben der Taijiquan-Formen bewege ich mich aus der Stille heraus. Innere Bewegung wird durch die Formen im Außen sichtbar. Taijiquan ist Bewegung in Stille und bewegte Stille. Sie ist der Ursprung und die Vollendung. In ihr existiert der Anfang und das Ende. Ich beginne die alten daoistischen Meister zu verstehen, für die Stille die Quelle von Bewegung und Klang war.

Die vielfältigen Möglichkeiten der Kommunikation, durch die wir jederzeit und überall erreichbar sind, die ständige Berieselung durch Radio, Fernsehen und Internet und das Aktiv-sein-Müssen lassen uns keine Zeit, die Stille zu finden. Wir werden bewegt, lassen uns bewegen. Innere Kraft und Harmonie gehen verloren.

Ich bin überzeugt davon, dass jeder von uns sein Lied in sich trägt. Töne, die aus der Stille heraus entstehen. Schwingungen, die uns tragen. Lernen wir wieder, nach innen zu hören, dann erkennen wir in der Stille unseres Herzens uns selbst. Wir wissen, dass wir alles haben, was wir brauchen. Dieses Wissen befreit uns, macht uns frei.

Ich wünsche euch Zeiten der Stille und dass euch eure Lieder durchs Leben tragen mögen.

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