Wandlung

am

Heinz Günter Saemann

Liebe Schülerinnen und Schüler,
liebe Freundinnen und Freunde des Taijiquan,

Wandlung bedeutet nicht, sich zu verwandeln, umzukrempeln oder zu erneuern. Alles, was wir sind, und alles, was wir brauchen, liegt wie ein Keim tief in unserem Innern. Dieser Samen, der von Anbeginn in unser Herz gelegt wurde, wartet darauf, Wurzeln zu schlagen, zu wachsen und reichlich Frucht zu tragen. Unser wirkliches Sein, unsere Bestimmung, wartet, will entdeckt und gelebt werden. Erst dann sind wir bei uns angekommen.

Jeden Tag kommen wir irgendwo an: bei der Arbeit, in unserer beruflichen Karriere, in der Freizeit, im Urlaub, zu Hause. Und doch sind wir ruhelos, unzufrieden und spüren tief im Innern eine fast unerträgliche Einsamkeit, der wir durch Geschäftigkeit Herr zu werden versuchen. Wandlung bedeutet für mich, bei mir anzukommen. Dadurch kann ich meine Bestimmung leben, ohne Trennung zwischen innen und außen. In den letzten Monaten habe ich mich auf diesen Prozess eingelassen. Manchmal habe ich Angst, in die Tiefe meines Seelengrundes zu tauchen, manchmal bin ich verwirrt, hilflos und ohne Hoffnung. Die Übungen des Taijquan bringen mich dem höchsten Prinzip näher. Sie und die Zwiesprache mit dem Schöpfer geben mir immer wieder Kraft und Mut. Ich spüre, dass der Keim in mir Wurzeln schlägt und ich bin dankbar für diese Wandlung.

In der Taijiquan-Schule hat sich in den letzten Monaten eine Wandlung vollzogen, die ich wie ein Kind mit großen leuchtenden Augen beobachte. Mich freut es, die Fortschritte meiner Schülerinnen und Schülern zu erleben. Ich wünsche euch auch weiterhin viel Freude auf dem Weg des Taijiquan.

Heinz Günter

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