Teilsein

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Heinz Günter Saemann

Liebe Freundinnen und Freunde des Taijiquan!

Teilnehmen – Wir beteiligen uns an etwas, wirken mit oder nehmen Anteil. Wir sind teilnahmsvoll, aktiv, bringen uns ein, weil wir interessiert sind, mitwirken wollen und mitfühlen. Nach einiger Zeit kann unser aktives Mitwirken in Passivität umschlagen. Wir sind plötzlich teilnahmslos, nehmen mehr als wir geben, konsumieren nur noch, werden passiv und mit der Zeit uninteressiert. Zurück bleibt unsere Erinnerung, die nach und nach verblasst und unklar wird. Das, was wirklich war, und unsere Wunschbilder vermischen sich. Die Ereignisse verlieren sich im Nebel der Zeit und unser Anteil nimmt mehr und mehr ab.

Teilhaben – Teilhaben bleibt aktiv. Wir nehmen nicht nur, sondern sind bereit, uns weiterhin einzubringen, zu gestalten und zu geben. Wir betrachten das Genommene von verschiedenen Seiten, erkennen es vielleicht in seiner Ganzheit, integrieren es in unseren Erfahrungsschatz und sind bereit, es an andere weiterzugeben. Wir werden von Teilnehmern zu Teilhabern.

Teilsein – Zunächst ist das Teilsein die Summe von Teilnahme und Teilhabe. Wir haben Anteil an etwas, sind ein Teil davon. Doch empfinden wir dies wirklich so oder spielt uns unser Verstand nur etwas vor? Für mich ist das Teilsein noch viel mehr. Erst wenn sich die Verstandesebene und die Empfindungsebene gegenseitig durchdringen, wenn wir uns in unserer Ganzheit als Teil einer Schöpfung erleben, die nach Vollendung strebt, können wir Teilnahme und Teilhabe und unser Dasein mit Leben füllen. Wir sind im Sein, das durch seinen ständigen Wechsel alles aufs Neue belebt.

Für mich ist das Taijiquan eine Ausdrucksform und ein Weg, im Sein anzukommen. Dabei geht es mir nicht um Perfektion, sondern darum, dass ich die Formen mit der Kraft meines Herzens mit Leben fülle, dass ich meine Ganzheit empfinden kann und, wie Meister Yang Zhen He sagt, Mensch werde. Ich wünsche euch die Kraft und den Mut, euch selbst zu sein. Möge das Taiji uns helfen, das Bewusstsein zu erlangen, ein Teil der Ganzheit zu sein, die nach Vollendung strebt.

Heinz Günter

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