Die Geschichte vom Sämann

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Es war einmal ein Sämann, der liebte seine Arbeit sehr. Im Frühjahr bereitete er die fette schwarze Erde um die Samen hineinzulegen. Voller Freude im Herzen brachte er jährlich die Saat aus und mit Hingabe schaute er deren Wachstum zu. War es zu heiß, wässerte er die Pflanzen, war es zu feucht, zog er Gräben um die Felder. Er hegte und pflegte im Rhythmus der Zeit und die Saat ging auf, golden, reich und nährend. Der Sämann fühlte sich im Einklang und gesegnet und war zufrieden.

Zur Zeit der Ernte kam der Schnitter, um das Korn zu ernten und es zum Müller zu bringen, der wiederum Mehl daraus mahlte und es weitergab an den Bäcker. Die Menschen, welche dieses Brot aßen, waren satt und zufrieden. Sie waren voll des Lobes für den Bäcker und dessen köstliches Brot. Der Sämann hörte immer wieder davon und leise fing sein Verstand an zu arbeiten. Wieso loben sie den Bäcker, wo doch ich das Feld beackere und das Korn von mir kommt? Wieso erweist mir niemand den Respekt? Ohne mich gäbe es kein Brot! So ging es eine Zeit, es wurde Herbst, es wurde grau und die dunkle Jahreszeit rückte heran. Das Herz des Sämanns wurde bitter. Groll war in ihm und er verspürte eine große Unzufriedenheit und Unlust, wenn er an das kommende Frühjahr dachte. Wie sollte er die nächste Saat ausbringen? Was für Früchte würde sie tragen?

Eines Nachts erschien ihm ein Engel im Traum. Er sprach zu ihm: Lieber Freund, was soll die Unzufriedenheit? Durch deine Hingabe wächst und gedeiht das Korn wie nirgends sonst. Die Saat geht jedoch nur deshalb so gut auf, weil du im Einklang mit der Natur und dir selbst bist. Weil du deinen Platz in der Schöpfung einnimmst und Friede in deinem Herzen ist. Schau nicht nach dem Lob der Menschen, es macht nur eitel und träge und bringt dich schließlich zu Fall. Das Korn selbst in seiner vollen Kraft soll dir als Lob genügen. Geh wieder mit Freude an die Arbeit, so trägst du zur Harmonie zwischen Himmel und Erde bei.

Der Sämann erwachte und das Licht in seinem Herzen leuchtete und er ging wieder an die Arbeit, denn er wusste, dass alles gut war.

Heinz Günter Saemann

Wir wünschen allen ein frohes und lichtes Weihnachtsfest und ein gesegnetes neues Jahr!
Johanna und Heinz Günter Saemann

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