Der Himmel oben – Die Erde unten

am

Heinz Günter Saemann und Johanna Saemann

Liebe Freundinnen und Freunde des Taijiquan!

Das Dao, das benannt werden kann, ist nicht das ewige Dao.
Der Name, der genannt werden kann, ist nicht der ewige Name.
Das Namenlose ist der Beginn von Himmel und Erde.
Das Benannte ist die Mutter der zehntausend Dinge.

Das Dao, das Unergründliche, Geheimnisvolle, das Nichtbenannte zeigt sein Wirken im De. Es ist der Beginn des Himmels und der Erde. Der Himmel, als schöpferisches Prinzip Yang, und die Erde, als empfangendes, gebärendes und nährendes Prinzip Yin, sind die Mutter der zehntausend Dinge. Das Nichtgreifbare, das Nichtseiende wird erkennbar, tritt ins Sein. Der Weise erkennt darin das immerwährende Wirken des Dao.

Verbunden mit dem Himmel schöpft er seine Kraft, wurzelnd in der Erde erkennt er das Wirken des Dao. Im immerwährenden Spiel von Yin und Yang verbringt er seine Tage damit, das zu finden, was seit Urzeiten in ihm ist.

Taijiquan verbindet das Schöpferische mit dem Empfangendem, Nährendem. Im Taijiquan erzeugt eine Bewegung die andere. Yin und Yang sind im steten Wechselspiel und verschmelzen miteinander. Verbunden mit dem Himmel richten wir uns auf. Das Wurzeln in der Erde gibt uns äußere und innere Festigkeit. Nach und nach erkennen wir, dass die Bewegungen des Taijiquan nur die äußere Form ist, um die innere Fähigkeit zu entwickeln, die Verbundenheit von Himmel und Erde in uns zu entdecken.

Das Üben des Taijiquan ist für mich eine Reise zu mir selbst, die mich oft an meine Grenzen führt und von der ich hoffe, sie möge irgendwann grenzenlos sein.

Euch ein stückweit auf eurer Reise begleiten zu dürfen, erfüllt uns mit Dankbarkeit und Achtung. Lasst uns nicht den Spuren der Meister folgen, sondern suchen, was sie gesucht haben.

Heinz Günter Saemann und Johanna Saemann

Fünfundzwanzig Jahre

am

Heinz Günter Saemann

Liebe Freundinnen und Freunde des Taijiquan!

Seit meinem zwölften Lebensjahr interessiere ich mich für das Reich der Mitte, seine Menschen und seine Kultur. Vor neunundzwanzig Jahren kam ich mit seiner berühmten Kunst, dem Taijiquan, zum ersten Mal in Kontakt. Damals ahnte ich nicht, was ein Vierteljahrhundert lang folgen würde.

Von Anfang an beeindruckten und begeisterten mich die langsamen und fließenden Bewegungen. Im Jahr 1992 gründete ich die Taijiquan-Schule Ortenau mit anfänglich drei Schülern. Heute sind es mehr als hundert, die mit mir meine Begeisterung für das Taijiquan teilen. Bald wurde mir klar, dass es für einen Lehrer nicht ausreicht, vor einer Gruppe zu stehen und einzelne Bewegungsabläufe zu unterrichten. So bildete ich mich fort: Didaktik, Pädagogik und Psychologie. Ich lernte Taijiquan bei verschiedenen Lehrern und chinesischen Meistern. Ich studierte Schriften über chinesische Mythologie, Mystik und Philosophie. Mein Unterricht gewann an Struktur und Klarheit. Und dennoch fehlte etwas. Ich unterrichtete zu sehr mit meinem Verstand. Um es allen recht zu machen, hatte ich mich, hatte ich mein Herz vergessen. Die dann folgenden Jahre waren nicht nur mit der Kultivierung meines Taijiquan erfüllt, sondern auch damit, meine Stärken zu zeigen und meine Schwächen zu akzeptieren. In all diesen Jahren bin ich gewachsen und kann heute auf meine Schüler eingehen, ohne mich selbst zu verlieren. Ich konnte mich entfalten und freue mich auf alle weiteren Entwicklungen.

Mein Dank gilt meinen Lehrern und all den Menschen, die mir nahestehen. Danke für nächtelange Gespräche, die mich auf meinem Weg unterstützt haben und es weiterhin tun werden. Danke an meine Schüler, denn ohne sie wäre vieles anders geworden. Danke, Meister Yang Zhen He, in dem ich einen wunderbaren Lehrer gefunden habe.

Ich will noch viele Jahre unterrichten und jede Stunde soll vom Geist des Taijiquan erfüllt sein. In Johanna, meiner Frau, habe ich eine würdige Begleiterin gefunden, die den Weg des Taijiquan mit offenem Herzen in die Zukunft führen wird.

Verbundenheit

am

Heinz Günter Saemann

Liebe Freundinnen und Freunde des Taijiquan!

Unermessliche Informationen überfluten uns. Immer und überall erreichbar zu sein verändert unser Leben rasant und macht es unruhig. Wir wissen nicht, wo uns der Kopf steht, haben den Eindruck, den Boden unter den Füßen zu verlieren, und fühlen uns wie eine leere Hülle. Ein harmonisches Sorgen für uns selbst und ein ausgewogenes Miteinander in der Schöpfung fällt uns schwer. Unsere Ängste, Erschöpfungszustände und Ich-Bezogenheit isolieren uns. Wir haben die Verbindung zu uns und der Schöpfung verloren. Wir entfernen uns von der Natur und unserer Natürlichkeit und schwingen nicht mehr im harmonischen Energiefeld zwischen Himmel und Erde.

Taijiquan zu praktizieren eröffnet ein Übungsfeld, mit uns und der Welt erneut in Verbindung zu treten und zu bleiben. Taijiquan basiert auf der Idee der sechs Harmonien, die oft mit den sechs Perlen des Taijiquan umschrieben werden. Das Prinzip »Alle Teile des Körpers werden miteinander verbunden und koordiniert« entfaltet die drei äußeren Harmonien. Das Prinzip der Verbundenheit von Rumpf und Extremitäten erzeugt eine Bewegungsharmonie, die von unserer Mitte gesteuert wird. Weiche und elastische Hüften ermöglichen die Einheit von unten und oben, rechts und links, vorwärts und rückwärts. Die drei inneren Harmonien verbinden den alles durchdringenden Geist mit der Vorstellungskraft und der Lebensenergie. Um die Bewegung in ihrer Fülle zu erleben, müssen wir sie aus der Mitte heraus wahrnehmen. Sich zu bewegen ist ein ganzheitlicher Prozess von Körper, Geist und Seele. Wir bewegen uns nicht nur, sondern bringen auch etwas in Bewegung. Eine harmonische Bewegung ist die Verbundenheit mit dem Außen und dem Innen, das Spüren der Erde und das Erahnen des Himmels.

In unserer Schule wollen wir Räume der Konzentration, des Lernens, Lehrens und der Stille öffnen, in denen es möglich ist, Perle für Perle auf eine Schnur zu fädeln und sich daran zu erfreuen. Wir wünschen euch, dass die Erde euch mit Leichtigkeit trägt und der Segen des Himmels euer Begleiter ist.

Körper und Geist

am

Heinz Günter Saemann

Seit langem beschäftigt mich beim Üben des Taijiquan das harmonische Miteinander von Körper und Geist. Die Fragen meiner Schüler zeigen mir, dass es auch bei vielen von ihnen ein immer wiederkehrendes Thema ist.

Wir wissen, dass das Üben des Taijiquan positiv auf den Körper und seine Funktionsabläufe wirkt. Die Muskeln werden gestärkt, Sehnen und Bänder sanft gedehnt, die Durchblutung wird gefördert. Durch den harmonischen Energiefluss wird die Funktion der inneren Organe gekräftigt. Die ruhige und tiefe Atmung führt zu einer vermehrten Sauerstoffaufnahme.

Immer wieder kommt es vor, dass Taijiquan mit dem Begriff »Sport« in Verbindung gebracht wird. Seit fast 30 Jahren übe und unterrichte ich Taijiquan und kann mit dieser Bezeichnung nichts anfangen. Natürlich stärken viele Sportarten den Körper und schulen den Willen. Den Willen zu siegen oder eine bestimmte Leistung zu erbringen. Doch was bleibt danach übrig? Die Kraft und die Anmut der Bewegungen scheinen plötzlich zu erstarren. Immer wieder beobachte ich diese Veränderung, wenn ich verschiedene Sportveranstaltungen verfolge. Eine rein körperliche Übungspraxis ohne harmonisches Zusammenwirken von Geist und Körper macht starr und wirkt auf die Dauer erschöpfend.

Im Gegensatz dazu sehe ich im Taijiquan eine Bewegungssystem, das es mir ermöglicht, nicht nur den Körper zu kräftigen, sondern auch meinen Geist zu kultivieren. Nicht umsonst wird Taijiquan seit Alters her zu den Künsten gezählt. Weiterlesen →

Absichtslos

am

Heinz Günter Saemann

Liebe Freundinnen und Freunde des Taijiquan!

Ich bin auf dem Weg zur Schule. Es regnet und ich spüre die Feuchtigkeit, fühle, wie sie in mein Gemüt dringt. Ich freue mich, üben zu können, mich ins Gleichgewicht zu bringen. Wecke das Qi, Abwehren, Vorbeigleitenlassen, Drücken und Schieben. In meiner Brust breitet sich Wärme aus, ich entspanne, fühle mich geerdet, Arme und Beine verbinden sich. Weiterlesen →

Teilsein

am

Heinz Günter Saemann

Liebe Freundinnen und Freunde des Taijiquan!

Teilnehmen – Wir beteiligen uns an etwas, wirken mit oder nehmen Anteil. Wir sind teilnahmsvoll, aktiv, bringen uns ein, weil wir interessiert sind, mitwirken wollen und mitfühlen. Nach einiger Zeit kann unser aktives Mitwirken in Passivität umschlagen. Wir sind plötzlich teilnahmslos, nehmen mehr als wir geben, konsumieren nur noch, werden passiv und mit der Zeit uninteressiert. Zurück bleibt unsere Erinnerung, die nach und nach verblasst und unklar wird. Das, was wirklich war, und unsere Wunschbilder vermischen sich. Die Ereignisse verlieren sich im Nebel der Zeit und unser Anteil nimmt mehr und mehr ab.

Teilhaben – Teilhaben bleibt aktiv. Wir nehmen nicht nur, sondern sind bereit, uns weiterhin einzubringen, zu gestalten und zu geben. Wir betrachten das Genommene von verschiedenen Seiten, erkennen es vielleicht in seiner Ganzheit, integrieren es in unseren Erfahrungsschatz und sind bereit, es an andere weiterzugeben. Wir werden von Teilnehmern zu Teilhabern.

Teilsein – Zunächst ist das Teilsein die Summe von Teilnahme und Teilhabe. Wir haben Anteil an etwas, sind ein Teil davon. Doch empfinden wir dies wirklich so oder spielt uns unser Verstand nur etwas vor? Für mich ist das Teilsein noch viel mehr. Erst wenn sich die Verstandesebene und die Empfindungsebene gegenseitig durchdringen, wenn wir uns in unserer Ganzheit als Teil einer Schöpfung erleben, die nach Vollendung strebt, können wir Teilnahme und Teilhabe und unser Dasein mit Leben füllen. Wir sind im Sein, das durch seinen ständigen Wechsel alles aufs Neue belebt.

Für mich ist das Taijiquan eine Ausdrucksform und ein Weg, im Sein anzukommen. Dabei geht es mir nicht um Perfektion, sondern darum, dass ich die Formen mit der Kraft meines Herzens mit Leben fülle, dass ich meine Ganzheit empfinden kann und, wie Meister Yang Zhen He sagt, Mensch werde. Ich wünsche euch die Kraft und den Mut, euch selbst zu sein. Möge das Taiji uns helfen, das Bewusstsein zu erlangen, ein Teil der Ganzheit zu sein, die nach Vollendung strebt.

Heinz Günter

Leere

am

Heinz Günter Saemann

Liebe Schülerinnen und Schüler,
liebe Freundinnen und Freunde des Taijiquan,

vor neun Jahren saß Meister Yang Zhen He nach dem Frühstück in unserem Wohnzimmer und brachte fünf Kreise aufs Papier. Anhand seiner Zeichnungen erklärte er mir den Weg des Taiji. Seit dieser Zeit beschäftige ich mich mit den fünf Kreisen. Und nach und nach erschließt sich mir ihre Bedeutung. Das kleine Yin und das kleine Yang des dritten Kreises faszinieren mich im Moment am meisten. Durch sie werden Yin und Yang harmonisiert, beide Kräfte fließen ineinander über, ergänzen sich, werden lebendig und sind in ständiger Bewegung. Beim Üben der Taiji-Formen öffnet sich mir mithilfe der Idee des dritten Kreises für einen Augenblick ein Raum der Stille und Leere, aus dem heraus sich Yin und Yang erneut schöpferisch und kreativ entfalten. Ich empfinde, dass im Flügelschlag eines Schmetterlings Unendlichkeit liegt, deren Fülle und Möglichkeiten aus der Leere entstehen.

Unser Leben wandelt sich stetig und manchmal erreichen wir einen Punkt, an dem wir Stille und Leere spüren. Doch statt auf ihre Schöpfungskraft zu vertrauen, überdecken wir sie mit unzähligen Aktivitäten, die uns oft aus dem äußeren und inneren Gleichgewicht bringen. Täglich begegnen wir Situationen und Menschen, benutzen das Internet mit seinen scheinbar unendlichen Informationen. Flexibilität, Mobilität und das Gefühl, jederzeit erreichbar sein zu müssen, erweitern nicht unseren Horizont, sondern engen uns immer mehr ein. Wir sind zu unseren eigenen Zeitdieben geworden. Das Zuviel an äußerer Aktivität führt zu innerem Stillstand.

Warum nehmen wir uns nicht die Zeit für die wichtigste Begegnung in unserem Leben? Der Begegnung mit uns selbst. Um das große Ganze zu verstehen, muss unsere Aufmerksamkeit auf die kleinen wesentlichen Dinge gerichtet sein. Erst die in beiden polaren Energien vorhandenen Gegensätze helfen uns, im Außen und im Innen lebendig zu sein. Der dritte Kreis ist ein Schlüssel dazu.

Möge das Taijiquan auch weiterhin unser Leben bereichern.

Heinz Günter

Wandlung

am

Heinz Günter Saemann

Liebe Schülerinnen und Schüler,
liebe Freundinnen und Freunde des Taijiquan,

Wandlung bedeutet nicht, sich zu verwandeln, umzukrempeln oder zu erneuern. Alles, was wir sind, und alles, was wir brauchen, liegt wie ein Keim tief in unserem Innern. Dieser Samen, der von Anbeginn in unser Herz gelegt wurde, wartet darauf, Wurzeln zu schlagen, zu wachsen und reichlich Frucht zu tragen. Unser wirkliches Sein, unsere Bestimmung, wartet, will entdeckt und gelebt werden. Erst dann sind wir bei uns angekommen.

Jeden Tag kommen wir irgendwo an: bei der Arbeit, in unserer beruflichen Karriere, in der Freizeit, im Urlaub, zu Hause. Und doch sind wir ruhelos, unzufrieden und spüren tief im Innern eine fast unerträgliche Einsamkeit, der wir durch Geschäftigkeit Herr zu werden versuchen. Wandlung bedeutet für mich, bei mir anzukommen. Dadurch kann ich meine Bestimmung leben, ohne Trennung zwischen innen und außen. In den letzten Monaten habe ich mich auf diesen Prozess eingelassen. Manchmal habe ich Angst, in die Tiefe meines Seelengrundes zu tauchen, manchmal bin ich verwirrt, hilflos und ohne Hoffnung. Die Übungen des Taijquan bringen mich dem höchsten Prinzip näher. Sie und die Zwiesprache mit dem Schöpfer geben mir immer wieder Kraft und Mut. Ich spüre, dass der Keim in mir Wurzeln schlägt und ich bin dankbar für diese Wandlung.

In der Taijiquan-Schule hat sich in den letzten Monaten eine Wandlung vollzogen, die ich wie ein Kind mit großen leuchtenden Augen beobachte. Mich freut es, die Fortschritte meiner Schülerinnen und Schülern zu erleben. Ich wünsche euch auch weiterhin viel Freude auf dem Weg des Taijiquan.

Heinz Günter

Wandlung

am

Heinz Günter Saemann

Liebe Schülerinnen und Schüler,
liebe Freundinnen und Freunde des Taijiquan,

das Schöpferische und das Empfangende sind die polaren Gegensätze, auf denen das Leben beruht. Durch ihre stete Wandlung wird das Leben jederzeit neu erzeugt. Wir leben mit dem Wandel der Jahreszeiten, in denen die Natur ihr Erscheinungsbild dauernd verändert. Auf Zeiten des Wachstums und der Fülle folgen Zeiten des Rückzugs und der Ruhe. Ohne diese Veränderung könnte sich das Leben nicht mehr äußern. Stillstand und Starre wären die Folgen. Zugegeben, Zeiten der Wandlung sind häufig schmerzhaft, führen uns an unsere Grenzen und lassen uns verzweifeln. Wir können gegen Veränderungen ankämpfen, dabei erstarren und uns in die Dunkelheit der Hilf‌losigkeit begeben, in die kein Lichtstrahl dringt. Oder wir lassen los, akzeptieren sie als einen natürlichen Prozess und nehmen sie als Chance zu unserer Weiterentwicklung wahr. Aus dem Ei eines Schmetterlings schlüpft eine Raupe, die bis zur ihrer Verpuppung, selbst gefräßig, immer Gefahr läuft, gefressen zu werden. Im Kokon findet eine unglaubliche Veränderung statt, an deren Ende ein buntes Wesen sich in die Lüfte erhebt.

Im Taijiquan lernen wir zunächst einen Bewegungsablauf und dessen Richtung. Wir lernen, unsere Arme und Beine zu verbinden und zu koordinieren. Ein Raumgefühl entsteht. Danach werden die Bewegungen weicher und geschmeidiger ausgeführt. Wir kommen in den Fluss. Durch das Verständnis von Yin und Yang bringen wir uns in eine harmonische Schwingung, die unser ganzes Wesen durchdringt. Dieser Prozess setzt sich von außen nach innen fort. Die Bewegungen werden im Außen kleiner, doch im Innern größer. Die Vorstellungskraft entwickelt sich. Am Ende löst sich alles auf. Das Selbst, die Form. Der Übende folgt dem natürlichen Fluss. Im Innen wie im Außen.

Ich wünsche euch Schmetterlingsflügel und dass die Wandlung euch zu lichten Höhen führt.

Heinz Günter

Begegnungen

am

Heinz Günter Saemann

Liebe Schülerinnen und Schüler.
Liebe Freundinnen und Freunde des Taijiquan.

Manchmal sehnen wir sie uns herbei und manchmal meiden wir sie. Sie können uns Freude bereiten, in angenehmer Atmosphäre stattfinden, entspannend sein und unser Herz berühren. Sie können uns Heilung bringen. Jeder von uns kennt auch ihre Schattenseiten. Wir reagieren mit Angst, werden wütend, verlieren unser Selbstwertgefühl, spüren Aggression. Wenn wir respektvoll, offen und klar handeln, können wir reflektieren, neue Eindrücke gewinnen und in der Begegnung mit anderen uns selbst begegnen.

Das Üben der Taij-Formen mit ihren runden, weichen und fließenden Bewegungen hilft mir, mich wahrzunehmen. Ich spüre meinen Stand, kraftvoll und fest; eine Bewegung folgt der anderen. Ich lasse los und dennoch sind Idee, Energie und Bewegung zielgerichtet. Anfang und Ende lösen sich auf und ich schwinge in meiner inneren Kraft, begegne mir selbst. Im Wechsel zwischen Aktion und Reaktion in den Taiji-Partnerformen kommuniziere ich mit meinem Übungspartner. Ich lerne Energieabläufe zu verstehen und angemessen darauf zu reagieren. Ich erkenne, welche Emotionen mich leiten und mich hindern, meinem Gegenüber offen und flexibel zu begegnen.

Ich wünsche euch, dass ihr anderen und euch in Offenheit und Klarheit begegnen könnt. Und mögen Begegnungen euch auf euerm Weg Hilfe und Stütze sein.

Heinz Günter